Baubericht Shay FCT #6

Von Steffen List am 28. September 2012

This model is a Regner-kit.  I wanted to try a little bit live steam in G-scale and thought, this attractive slow running machine could be a good project, beside the very time-intensive work of ballasting my tracks. Assembling  was quite easy, though I found some problems while building the chassis. I have to change the design from logging style to a more mexican style: oil burner, air brake, steel-made tanks and other details.

 

Um einen Lichtblick neben der sehr zeitaufwendigen Arbeit des “Gleis-Einsandens” zu haben, erhielt mein Lokbestand Zuwachs in Form der Regner-Shay.

Man hat ja die Wahl zwischen den Modellen von Regner und denen von Accucraft. Die Regner-Bausätze bieten den Vorteil der einfachen Konstruktion und der vielfältigen Änderungsmöglichkeiten. Ersatzteile sind leicht zu bekommen, und eine Fernsteuerung kann gut zugänglich untergebracht werden. Dagegen erscheinen die Accucraft-Modelle detailgetreuer, sind aber nur als Fertigmodell erhältlich und teurer in der Beschaffung.

Da ich eine in Mexiko angesiedelte Anlage in 1:20.3 baue, muss die Lok natürlich auch in ihrem Erscheinungsbild modifiziert werden: kein Waldbahn-Look, dafür Ölfeuerung, Druckluftbremsausrüstung, Beleuchtung und Läutewerk. Nach der Fertigstellung geht sie dann als Überbleibsel aus den Anfangsjahren meiner Bahngesellschaft als FCT #6 in den Betriebsdienst.

Als Fazit muss ich sagen, dass die Montage des Bausatzes trotz diverser Schwierigkeiten große Freude bereitete. Gleichwohl verlangt er insbesondere im Fahrwerksbereich erhöhten technischen Sachverstand, Geduld und Feingefühl. Das beigelegte Werkzeug ist brauchbar bis auf den Inbusschlüssel SW 0,9. Dieser Schlüssel war nach der zweiten Schraube trotz vorsichtigen Gebrauches überdreht und so ein Fall für die Neubeschaffung. Zusätzliches Werkzeug ist auch aufgrund der verschiedenen Nacharbeiten notwendig.

Der Bausatz

Bei der Montage hielt ich mich im Wesentlichen an die Bauanleitung. Bevor jedoch die Achslager auf dem Drehgestellrahmen montiert werden, sollte man das große Kegelrad auf die Achswelle schieben und prüfen, ob diese Baugruppe ohne Klemmen im antriebsseitigen Achslager läuft. Bei meinem Modell musste ich den Bund am Kegelrad etwas abtragen.

Antreibsseitiges Achslager

Ein konstruktiver Mangel besteht darin, dass die einzelnen Rahmenstreben nur mit jeweils einer Schraube miteinander verbunden werden. Der Rahmen könnte daher auch im montierten Zustand wie ein Parallelogramm verschoben werden, denn das Anzugsmoment der Schräubchen ist begrenzt. Daher prüfte ich die Rechtwinkligkeit des Drehgestellrahmens mehrmals mit dem Anschlagwinkel, eine Abweichung an dieser Stelle führt zu Schwergang der Kegelgetriebe. Gleiches gilt für die Achslager. Sie sind sorgfältig auszurichten.

Montage des Drehgestellrahmens

 Die Rollprobe ergab, dass zwei Zahnflanken eines Kegelrad-Ritzels schadhaft waren und zum Blockieren führten. Regner lieferte das entsprechende Ersatzteil nach Anruf völlig problemlos – danke!

Schadhaftes Ritzel

Nachdem die Rollprobe erfolgreich verlief, löste ich jede Schraubverbindung nochmals (immer nur eine!) und sicherte sie mit Sekundenkleber. Mich trägt die Hoffnung, dass ein Verziehen des Rahmens damit unterbunden ist.

Fertige Drehgestelle

Der Brückenrahmen lässt sich leicht zusammenkleben, auch hier auf Winkligkeit und ebene Auflage der Rahmenteile achten (Verwindungsgefahr). Alle Holzteile behandelte ich vor dem Montieren mit der Drahtbürste, um die Maserung deutlicher herauszuarbeiten.

 Das probeweise Montieren von Brückenrahmen,  Drehzapfenhalter und Drehgestelle brachte die unschöne Erkenntnis, dass zwei der vier Radsätze nicht auf dem Gleis ruhten (Drehzapfen schief in die Halter eingelötet), die Drehgestelle sehr straff auf dem Drehzapfen saßen und eine Relativbewegung zwischen Drehgestell und Brückenrahmen (z.B. bei Gleisunebenheiten) nicht möglich war. Darüber hinaus erschloss sich mir der Sinn der Federung bei der gewählten Konstruktion nicht.

Aufgesetzter Brückenrahmen

Luft unterm Rad (1)

Zunächst richtete ich also die Drehzapfenhalter so, dass die Drehzapfen nach Montage im Brückenrahmen zueinander parallel standen.

 Die zwei Holzbalken und den unteren Quergurt des hinteren Drehgestelles bohrte ich auf Ø6 mm auf, sodass der Schwergang bei Drehung beseitigt ist. Beim hinteren Drehzapfenhalter fräste ich auch die seitlichen Anschläge um 1 mm ab und drehte mir eine Art Kugelzapfen, den ich auf den Drehzapfen aufschob. In Verbindung mit dem aufgebohrten Untergurt kann das hintere Drehgestell nun in alle Richtungen schwenken. Der Brückenrahmen liegt dort in Drehgestellmitte, beim vorderen Drehgestell jedoch auf den zwei seitlichen Abstützungen auf, was die gewünschte Drei-Punkt-Lagerung ergibt. Auf eine Federung habe ich verzichtet. Diese Konstruktion hat sich bei den Probeläufen bewährt. Das komplette Fahrgestell mit Kegelrädern, aber ohne Maschine, sollte auf leichtem Gefälle selbstständig und ohne jegliches Ruckeln rollen.

Aufgebohrter Untergurt

Modifizierter Drehzapfenhalter

 

Die weitere Montage von Maschine, Kessel, Gas- und Kondensatbehälter sowie Armaturen nahm ich nach Anleitung vor und bereitete keine Schwierigkeiten. Da die Lok höhere Aufbauten erhält, lagerte ich den Kondensatbehälter ebenfalls höher. Der Längenausgleich der Gelenkwellen (Vierkantrohr) war zunächst sehr schwergängig. Ich kratzte mit einem Schraubenzieher die Ecken des Vierkantrohres aus, ölte die Vierkantwelle und bewegte sie immer wieder im Rohr hin und her. Dieses Einarbeiten brachte sehr gute Besserung. Die Gelenkbolzen der Gelenke in Drehgestellnähe müssen fast bündig in den Ring eingeschraubt werden, da sie sonst bei Bogenfahrt mit den Schrauben des Drehgestellrahmens kollidieren (oder Schraube kürzen).

Das beigelegte Manometer tauchte in der Bauanleitung nicht auf. Es wird am linksseitigen oberen Blindstopfen des Kessels angeschraubt.

 Nun konnte ich mich ans Probeheizen wagen. Dazu bockte ich die Lok auf, befüllte sie mit Wasser und Gas und zündete am Schornstein. Die Flamme schlug in den Brenner zurück und brannte dort angenehm leise weiter. Während der Anheizphase ölte ich alle relevanten Lager- und Getriebestellen ab. Der Druck entwickelte sich relativ schnell, sodass ich den Regler öffnete. Nachdem das Kondensat aus den Zylindern gedrückt war, lief die Maschine an, zunächst etwas holperig, dann aber zunehmend gleichmäßiger. Die Stopfbüchsen der Kolbenstangen sind höchstens handfest anzuziehen, sonst Schwergang.

Probeheizen

Mittlerweile habe ich am Fahrwerk mit der Detaillierung begonnen. Unterhalb des Rahmens sah es dort recht luftig aus. Nach Prüfung der verschiedenen Spannwerk-Varianten entschied ich mich aus Platzgründen bei meinem Freelance-Modell für ein Spannwerk analog der Güterwagen, Taschen für Rangierbalken an der Pufferbohle und einen Aschkasten (natürlich ausgemauert ;-) ) . Die Anordnung des Ölbrenners bei der Stehkessel-Lok ist noch zu klären.

Unterseite des Brückenrahmens

Gesamtansicht

 

Nun ist der technische Part an der Lok abgeschlossen, die Fernsteuerung ist installiert und hat die erste Fahrsession sehr gut überstanden. Da ich als Neuling auf dem Gebiet Funkfernsteuerung einige Schwierigkeiten und auch Berührungsängste hatte, stelle ich hier den Einbau etwas detaillierter vor.

Ich hatte noch eine alte Steuerung mit Frequenz-Quarzen zu liegen, musste jedoch feststellen, dass die Servos “zuckten”, also unkontrollierte Bewegungen unabhängig von Steuerbefehlen vornahmen. So stand ich zunächst vor dem Problem, eine geeignete Funkanlage zu finden. Die alten Servos besaßen Plastikgetriebe, weshalb ich sie durch 2 neue Servos mit Metallgetriebe ersetzte.

Hier die Komponenten, alle bei Conrad beschafft:

Modelcraft 4-Kanal Fernsteueranlage 2,4 G-01T-VI mit Empfänger
Best.-Nr.: 209237

Modelcraft Batteriebox mit Schalter, JR Mit Schalter
Best.-Nr.: 223941-62

Modelcraft Mini-Servo WG-90MG Einfach kugelgelagert Getriebe Metall JR
Best.-Nr.: 209088-62

 

Funksteueranlage – Fahrzeugkomponenten

 

Der der Fernsteueranlage beiliegende Empfänger bietet 6 Kanäle, von denen die Kanäle 1-4 durch die Fernsteueranlage belegt werden können. Ich schloss meine 2 Servos für Dampfregler und Fahrtrichtung an Kanal 2 und 3 an (Vorwärts / Rückwärts-Funktion der beiden Steuerknüppel), am Kanal 6 hängt die Stromversorgung. Die gesamte Fahrzeugausrüstung passt bequem in den hinteren Aufbau neben den Gastank. Für die Servos und den Hauptschalter der Stromversorgung baute ich einen stabilen Halter aus Holz. Dieser ist auf den Brückenrahmen aufgeschraubt. Den Empfänger klebte ich mit beiliegendem Klebeband an einen Servo, sodass er zwischen Servohalter und Gastank ruht.

Die Regner-Verbindungsstange vom Steuerhändel zum Umsteuerventil zersägte ich und lötete die Augen auf jeweils eine mit reichlicher Zugabe abgelängte Ms-Stange Ø 2mm. Nach probeweiser Montage am Ventilarm bog ich die Stangen entsprechend der Platzverhältnisse und ermittelte die erforderliche Gewindelänge M2 für die Verbindung zum Servoarm. Die auf die Stangen aufgeschraubten Ms-Verbindungswinkel erlauben eine gewisse Längenjustierung. Beim Dampfventil ist die Einstellung so zu wählen, dass das Ventil schließt und der Servo dennoch seine Endlage erreicht. Ist das nicht der Fall, macht sich der Servo durch brummende Geräusche bemerkbar.

 

Funksteueranlage – Seitenansicht

Funksteueranlage – Ansicht von oben

Nun kann es mit der „Kosmetik“ weitergehen. Das wird auch Zeit, denn bis zum ersten öffentlichen Auftritt am 03. Und 04. November in Emleben ist nicht mehr viel Zeit…

Der erste Einsatz verlief tadellos, bis der Brenner am 2. Tag versagte.

Shay mit der Grundstruktur für die Aufbauten

Shay auf Streckenfahrt

Nachdem über den Jahreswechsel die Arbeiten an der Shay ruhen mussten, geht es nun allmählich weiter. Beide Vorbauten sind fertiggestellt, aktuell wird das Dach “eingedeckt”. Voraussetzung dazu war die Kürzung des Schornsteines und Änderung der Abdampfeinleitung in der Weise, dass sie noch unterhalb des Daches im Schornstein ankommt und das Dach so abnehmbar bleibt. Nebenbei fiel mir ein Tablettenrohr in die Hände, aus dem der Luftbehälter auf dem hinteren Vorbau entstand. Der Behälter ist abnehmbar und erhielt unten Öffnungen für den Gaseinfüllstutzen und den Hauptschalter der Fernsteuerung. Beides verschwindet nun elegant. Die Nietimitationen und Halterungen fehlen noch. Für die Bilder kramte ich diverse Zubehörteile wie Luftpumpe, Lampe, Generator aus der Kiste und machte eine “Stellprobe”. Sieht schon etwas mehr nach Lok aus…

Die knappe freie Zeit der letzten Monate brauchte ich für die Detaillierung der Lok:

Shay FCT #1 2013-07-09_2

Mein Ziel, die Shay für die Ausstellung 2013 in Emleben fertig zu stellen, habe ich gestern erreicht.
Ein paar Nacharbeiten bleiben noch, z.B. eine abschließende leichte Alterung und die Behandlung der Ms- und Cu-Rohre. Da wird aber nicht viel passieren, da die Lok ja ein gut gepflegter Methusalem sein soll.
Um das Einheits-Schwarz aufzulockern, entschloss ich mich, den Arbeitsschutz bei der FCT hoch zu halten und die Griffstangen und Aufstiege mit Rot zu betonen.

Shay FCT #6 2013-10-02 001

Shay FCT #6 2013-10-02 005_2

Bleibt zu hoffen, dass der alte Don Carlos die Maschine ordentlich pflegt und mit Bedacht führt….

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